Weihnachtsfeier

“Demokratie muss gelernt werden!” – Frank Richter beim Buß- und Bettagsstammtisch der CDU Blasewitz/Striesen

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„Woran können wir (noch) glauben: an Gott, die Demokratie oder die Rente?“ Diese bewusst etwas provokant formulierte Frage stand im Mittelpunkt des traditionellen Stammtisches der CDU Blasewitz/Striesen am Buß- und Bettag. In diesem Jahr konnte der Ortsverband Frank Richter, Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche, als Referenten und Gesprächspartner gewinnen. Knapp 70 CDU-Mitglieder und interessierte Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung in den SchillerGarten gefolgt.

In seinem einführenden Statement machte Frank Richter deutlich, dass es zunächst einmal eine Verständigung darüber brauche, was „glauben“ eigentlich meint. Glauben bedeute nicht nur, etwas für wahr zu halten, sondern beziehe sich auch auf das Vertrauen, das ich in meine Mitmenschen oder die politische Ordnung setze. Auch müsse man drei theologische Dimensionen unterscheiden: den Glaube an die Existenz Gottes, das Fürwahrhalten der christliche Glaubenslehre und schließlich die Orientierung des Einzelnen auf Gott hin – emotional, seelisch und menschlich.

Richter warb dafür, Glaube nicht als etwas Irrationales, sondern etwas Überrationales zu verstehen. Mit Sorge betrachte er die Entwicklung, dass all das, was sich nicht rationell erfassen lasse, zunehmend an den Rand gedrängt werde. Wissen habe inzwischen einen ganz anderen Stellenwert als der Glauben erlangt. Dies sei einerseits eine große Stärke, wenn man auf den Wissenschafts- und Forschungsstandort Deutschland schaue. Doch sich allein darauf zu beschränken sei problematisch.

In dem Zusammenhang verwies Richter auch auf das moderne Bildungsverständnis und kritisierte, dass das humanistische Bildungsideal an Glanz verloren habe. Doch gerade für die Entscheidungs- und Diskussionsprozesse innerhalb der Gesellschaft sei ein ethisch-geistiges Fundament unerlässlich. Das Verständnis für einander könne nur da entstehen, wo es den persönlichen und unverstellten Dialog gebe. In diesen Gesprächen entstehe letztlich auch, woran man sich gemeinsam orientieren, woran man gemeinsam glauben könne.

Richter ging in seinem Vortrag auch auf ein ostdeutsches Spezifikum ein: die neuen Bundesländer zählten zu einer der säkularsten Region Europas. Etwa 80 Prozent der Bevölkerung fühlen sich keiner Glaubensgemeinschaft zugehörig. Die Ursache dafür liege vor allem in der Verdrängung der Kirchen aus dem öffentlichen Leben durch marxistisch-leninistische Staatsideologie der DDR. Nach dem sicher auch mit Enttäuschungen und Verletzungen verbunden Fall der Mauer seien viele Menschen auf der Suche nach einem Annerkennungs- und Orientierungsrahmen. Die Rückbesinnung auf den Nationalismus aber führe in die Irre.

Nach der sich anschließenden, intensiven Diskussionsrunde machte Richter in seinem Schlusswort deutlich, dass Empathie und die Bereitschaft zum Perspektivwechsel die Schlüsselkompetenzen zum Gelingen des gesellschaftlichen Miteinanders seien. Demokratie müsse gelernt werden, so der mahnende Apell!