Kritik am Grünen Parteitagsbeschluss zur Dresdner Kulturhauptstadtbewerbung

CDU-Politiker kritisieren den Grünen Parteitagsbeschluss zur Kulturhauptstadtbewerbung scharf


„Eine ‚neue Kultur des Miteinanders‘ bildet den Kern und das Anliegen der Dresdner Kulturhauptstadtbewerbung. Das bisher von allen Fraktionen des Stadtrats im breiten Konsens getragene Vorhaben – mit den Mitteln der Kultur, die häufig beklagte Polarisierung in der Stadtgesellschaft zu überwinden – haben die Grünen mit ihrem wenig durchdachten und in seinen negativen Folgen kaum abschätzbaren Parteibeschluss aufgekündigt. Ich teile die große Sorge vieler Dresdnerinnen und Dresdner – unter ihnen nicht weniger Kulturschaffender –, dass damit der Bewerbung absichtsvoll geschadet wurde“, kritisiert Dr. Markus Reichel, Vorsitzender der Dresdner Union.
„Dabei kann sich die bisherige Arbeit des Kulturhauptstadtbüros sehen lassen. Ungeachtet mancher durchaus berechtigten Kritik ist es den Projektmachern gelungen, Veranstaltungsformate zu entwickeln, die über weltanschaulich-ideologische Grenzen hinweg gesprächsweise ein ‚Miteinander‘, einen Austausch von Meinungen und Ansichten möglich gemacht haben. Das Streitgespräch zwischen den beiden Dresdner Autoren Uwe Tellkamp und Durs Grünbein war eine der wichtigsten gesellschafts- und kulturpolitischen Debatten des vergangenen Jahres“, stellt Markus Reichel klar. „Wir brauchen solche Debatten über elementare gesellschaftliche Fragen.“


Der Vorwurf eines „Rechten Geistes“ unter den Kulturhauptstadtmachern ist nicht nur in der Sache völlig daneben. Die vor allem gegenüber dem Kurator Michael Schindhelm unverschämte Unterstellung atmet vielmehr selbst den Geist ideologischer Einseitigkeit. Wie schon der Beschluss zum „Nazinotstand“ fördert das die Spaltung unserer Stadt. Mit solchen pauschalen und teils persönlich Angriffen erweisen die Grünen der Bewerbung – gerade in dieser kritischen Phase – einen Bärendienst.“


Auch die Kulturpolitische Sprecherin der CDU-Stadtratsfraktion, Petra Nikolov, sieht Form und Inhalt des Grünen Parteitagsbeschlusses kritisch:
„Will man über die Grenzen gegensätzlicher Anschauungen, Öffentlichkeiten und Diskurskulturen hinweg vermitteln, läuft man stets Gefahr, von der einen wie von der anderen Seite in Haftung genommen zu werden“, so Petra Nikolov. „Hier bleibt angesichts der Vorwürfe entschieden klarzustellen, dass die Kulturhauptstadtmacher nicht in Haftung genommen werden dürfen für die Aussagen einzelner Protagonisten. Wer Gräben überwinden will, muss offen sein und das Gespräch mit allen suchen. Entscheidend ist der faire Austausch von Argumenten, das ‚Miteinander‘ auch im Streit der Meinungen und Sichtweisen“, stellt die Kulturpolitikerin klar.
„Es bestand in der Vergangenheit stets Einvernehmen unter den Kulturpolitikern, dass offene Fragen oder Kritik mit Rücksicht auf die laufende Bewerbung nicht vor der großen Öffentlichkeit ausgetragen werden, sondern in den dafür vorgesehenen Gremien. Dass die Grünen, und unter ihnen nicht wenige Mitglieder der Grünen Stadtratsfraktion, diesen Konsens aufgekündigt haben, enttäuscht mich persönlich. Die Form der Anschuldigungen finde ich beschämend“, so Nikolov. „Dresden zeigt sich so auch in der öffentlichen Diskussion über dieses große kulturpolitische Vorhaben gespalten. Der Beschluss der Grünen unterstreicht einmal mehr, dass die Notwendigkeit einer ‚neuen Kultur des Miteinanders‘ auch und gerade unter den politischen Akteuren gebotener ist, denn je.“


Dresden, 19. November. Philipp Maurer/ Pressesprecher